AStA der Universität zu Köln
02.09.2009: Hochschule der Vielfalt - Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie - Die Termine im Überblick
Im Rahmen der "Hochschule der Vielfalt - Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie" fand vom 9.-20.November 2009 zahlreiche Veranstaltungen statt.
Montag, 9.11.2009
Sexualität im Wandel
Vortrag von Karla Verbinden19:30 Uhr, Hörsaal G (Hörsaalgebäude)
Definition: Sexualität (sinngemäß "Geschlechtlichkeit", von spätlat. sexualis; aus lat. sexus "Geschlecht"; vgl. Sex) bezeichnet im engeren biologischen Sinne die Gegebenheit von (mindestens) zwei verschiedenen Fortpflanzungstypen (Geschlechtern) von Lebewesen derselben Art, die nur jeweils zusammen mit einem Angehörigen des (bzw. eines) anderen Typus (Geschlechts) zu einer zygotischen Fortpflanzung fähig sind. Hier dient die Sexualität einer Neukombination von Erbinformationen, die aber bei manchen Lebensformen auch durch der Sexualität ähnliche, nicht polare, Rekombinationsvorgänge ermöglicht wird.
Im sozio- und verhaltensbiologischen Sinne bezeichnet der Begriff die Formen dezidiert geschlechtlichen Verhaltens zwischen Geschlechtspartner. Bei vielen Wirbeltieren hat das Sexualverhalten zusätzliche Funktionen im Sozialgefüge der Population hinzugewonnen, die nichts mehr mit dem Genomaustausch zu tun haben müssen, so dass dann die handelnden Partner auch nicht unbedingt unterschiedlichen Geschlechts sein müssen.
Im weiteren Sinn bezeichnet Sexualität die Gesamtheit der Lebensäußerungen, Verhaltensweisen, Empfindungen und Interaktion von Lebewesen in Bezug auf ihr Geschlecht. Zwischenmenschliche Sexualität wird in allen Kulturen auch als ein möglicher Ausdruck der Liebe zwischen Personen verstanden.
Dieser Vortrag befasst sich vor allem mit der Gesamtheit der Sexualität und ihrem Einfluss auf die Gesellschaft und deren Mitglieder. In den letzten Jahrzehnten hat sich in der Gesellschaft nur wenig so schnell verändert wie die Sexualität und deren Wahrnehmung.
* Wie die so genannte neosexuelle Revolution die sexuelle Vielfalt hervorbringt!
* Wie Perversionen legitimiert werden!
* Wie sich die Sexualität von Frau und Mann veränderte!
* Wie Sexuelles allgemeingegenwärtig ist!
Karla Verlinden versucht diese Punkte in ihrem Vortrag aufzuarbeiten und dabei entstehende Fragen zu beantworten.
Dienstag, 10.11.2009
„Homohass streng wissenschaftlich?“ - Zwischen Wissenschaftsfreiheit und sexueller Diskriminierung
19.30 Uhr, Hörsaal G (Hörsaalgebäude)
Hinter der Wissenschaft können gerne persönliche Ansichten versteckt werden, die nicht zwangsläufig unkritisch gesehen werden dürfen. So auch im vergangen Sommersemester an der Uni Köln. Prof. Dr. Edith Düsing unterschrieb die Erklärung „Für Freiheit und Selbstbestimmung“ zum 6. Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge in Marburg. Diese unterschrieb sie mit dem Zusatz, dass sie Professorin der Philosophischen Fakultät in Köln sei. Das Problematische an dieser Erklärung war, dass sie infrage stellt, dass Homosexualität nicht krankhaft und somit heilbar sei und man über diese Frage offen diskutieren dürfe. Auf vermehrte Presseanfragen konkretisierte Professorin Düsing ihre Aussage: „Es ist fraglich, ob Homosexualität die ideale Form der Selbstverwirklichung ist.“
Trotz vermehrter Proteste aus der Studierendenschaft und mehrfacher öffentlicher Anfragen reagierte die Universitätsleitung zu diesen Ereignissen nicht und hüllte sich stattdessen in Stillschweigen. Für Professorin Düsing hatte dieses somit keine Konsequenzen; stattdessen ist sie in diesem Wintersemester wieder für einen Vortrag von der Universität beauftragt worden. Diese Ereignisse sind nicht einmalig, sie verliefen so oder ähnlich auch an anderen Universitäten.
Mit diesem Hintergrund veranstaltet das Lesben und Schwulenreferat der Uni Köln (LUSK) zusammen mit dem AStA im Rahmen der „Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie/Hochschule der Vielfalt“ eine Podiumsdiskussion, um zusammen über den Spagat zwischen Wissenschaftsfreiheit und Diskriminierung zu diskutieren. Hierfür wurden vier Experten aus verschiedenen Fachgebieten eingeladen, um das Für und Wider zu diskutieren:
Prof. Dr. Andreas Kraß
lehrt Ältere deutsche Literatur an der Universität Frankfurt a.M. und ist ein Experte für Queer Theorie
Dr. Gisela Wolf
Vorstandsvorsitzende des Verbands lesbischer und schwuler PsychaterInnen in Deutschland (VLSP)
Prof. Dr. Marianne Bechaus-Gerst
Antidiskriminierungsbeauftragte der Universität zu Köln
Klaus Jetz
Bundesgeschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbands Deutschland (LSVD)
In dieser Runde soll über Formen sexueller Diskriminierung an Universitäten diskutiert werden. Darf jeder Professor sagen, was er will, weil er wissenschaftlich legitimiert ist? Können persönlichen Ansichten auf diese Weise der Mantel der Wissenschaft angelegt werden? Es soll an Grenzen gestoßen und Grauzonen aufgedeckt werden, die Wissenschaftliches von Pseudowissenschaftlichem trennt.
Donnerstag, 12.11.2009
"Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber nie zu fragen wagten"
19:30 Uhr, Hörsaal E (Hörsallgebäude), Albertus-Magnus-Platz
Die sexuelle Aufklärung im 20. Jahrhundert trieb viele Stilblüten. Unter anderem auch das Sachbuch „Was sie schon immer über Sex wissen wollten, aber nie zu fragen wagten“ von David R. Reuben, Psychiater aus den USA aus dem Jahre 1969. David R. Reuben versuchte mit diesem Buch so weltbewegende Fragen zu beantworten wie: * Warum haben manche Frauen Orgasmusschwierigkeiten?
* Was geschieht bei der Ejakulation?
* Was ist Perversion?
* Sind Transvestiten homosexuell?
* Wirken Aphrodisiaka?
* Was ist Sodomie?
Mit über 150 Mio. verkaufter Exemplare in über 54 Ländern ist es das meistgekaufte Sachbuch der 60er Jahre und hatte somit eine tiefgreifende Bedeutung für die sexuelle Revolution und die Sexualerziehung in den USA.
Dieses Buch ist Grundlage für eine satirische und szenische Lesung von Felix G. und Dr. Verena Breit von Flach. Ebenfalls soll versucht werden durch entsprechende Art und Weise den sexualwissenschaftlichen Diskurs der späten 60er Jahre des 20. Jahrhunderts widerzuspiegeln.
Freitag, 13.11.2009
KULTURSCHOCK @ UNI
Ab 19:30 Uhr,In der Hauptmensa (Zülpicher Str.)
Definition Travestie: Aus den lateinischen Wörtern trans („hinüber“) und vestire („kleiden“) hat sich das italienische Wort travestire entwickelt, welches „verkleiden“ bedeutet. Die schauspielerische Travestie (von frz. travesti, verkleidet) bezeichnet die Darstellung einer Bühnenrolle durch Personen des anderen Geschlechtes. Weit verbreitet ist dies auch in der Kleinkunst.
Travestie war und ist bis heute stark mit der LesBiSchwulen Szene und deren Kampf für Akzeptanz und Gleichberechtigung verbunden. Dies beweist auch, dass ein Kampf durchaus mit einer Leichtigkeit und vor allem auch mit Freude verbunden werden kann. Diese Freude wollen wir euch auch innerhalb der Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie bieten. Aus diesem Grund veranstaltet die älteste freie Travestiebühne Kölns, der Kulturschock, ein kleines Gastspiel für euch an der Uni und dieses vor allem für alle ohne Eintritt.
"Geschockt wird das Publikum, wenn die Conferance sich Zuschauer auf die Bühne holt, um mit ihnen über brisante Themen wie z.B. Sex-Toys zu diskutieren oder ein spontanes Minimusical aufzuführen.
Geschockt wird die Maske, wenn die Künstler wieder so gut rasiert sind, das die Schminkschwämme im Gesicht stecken bleiben und statt angemeldeter drei Künstler 10 plus eine Tanzgruppe zum Schminken in die Maske drängeln.
Geschockt sind die Künstler, wenn sie feststellen, dass in den Kühlkoffern der Maske keine Lippenstifte sondern Sektflaschen für die Puderluder sind."
Der Kulturschock mag eine der ältesten Travestie-Comedy-Shows Kölns sein, aber von "alt" wird hier beim besten Willen nicht geredet. Jede Woche ein anderes Programm, andere und neue Künstler, jede Woche ein neues Feuerwerk an Trash, Comedy, Kleinkunst und Klamauk. Und diesmal nicht im gewohnten Umfeld, sonder auf Tour an der Uni.
Seit nun mehr über 145 Jahren gibt es diese offene Bühne, auf der sich wirklich jede(r) ausprobieren darf. Das hat den Kulturschock zu einer Wiege der Kleinkunst gemacht. Hier sind viele Größen der Kleinkunstszene geboren worden und auf den Geschmack gekommen.
Montag, 16.11.2009
„Lesben und Schwule im Recht“ - die eingetragene Lebenspartnerschaft auf dem Prüfstand -
19:30 Uhr, Hörsaal G (Hörsaalgebäude)
Erst vor wenigen Tagen urteilte das Bundesverfassungsgericht, das die eingetragene Lebenspartnerschaft gleichzusetzen ist mit „richtigen“ Ehepaaren und eine Ungleichbehandlung bei der Betriebsrente gegen das Grundgesetz und den Gedanken der Gleichbehandlung verstößt. Doch was ist überhaupt die Eingetragene Lebenspartnerschaft und was sind die Unterschiede zur „richtigen“ Ehe, die durch das Grundgesetz geschützt ist?
Das Gesetz über die Eingetragene Lebenspartnerschaft oder kurz Lebenspartnerschaftsgesetz (LPartG) ermöglicht zwei Menschen gleichen Geschlechts in der Bundesrepublik Deutschland die Begründung einer Lebenspartnerschaft. Hierbei ist die sexuelle Orientierung der Personen unerheblich. Eine Lebenspartnerschaft ist in Deutschland die einzige Möglichkeit neben der Adoption für nicht-Blutsverwandte, einer gleichgeschlechtlichen Beziehung einen rechtlichen Rahmen zu geben. Die Rechtsfolgen des eigenständigen Rechtsinstituts der Lebenspartnerschaft sind den Rechtsfolgen der Ehe in bürgerlich-rechtlichen Angelegenheiten zum größten Teil nachgebildet. Im Bundesrat zustimmungspflichtige Gesetze, welche an den Bestand einer Ehe anknüpfen, stellen die Lebenspartnerschaft in der Regel der Ehe nicht gleich.
Bis heute ranken sich viele Mythen und Halbweisheiten um diese Lebenspartnerschaft, die auch gerne als „Homo-Ehe“ bezeichnet wird. Dieser Vortrag von Michaele Verweyen versucht weitgehendst aufzuklären, was wirklich mit der eingetragenen Lebenspartnerschaft möglich ist und in welchen Bereichen immer noch Benachteiligungen zur „richtigen“ Ehe bestehen.
Dienstag, 17.11.2009
„Homosexualität in der Schule“ - Interaktive LesBiSchwule Aufklärung an Schulen -
19:30 Uhr, Hörsaal G (Hörsaalgebäude)
Wer hat es nicht schon selbst gehört, dass ein Wort wie „schwul“ geläufig geworden ist, um etwas Schlechtes auszudrücken oder einfach um jemanden zu beleidigen? Zum Problem wird es gerade dann, wenn heranwachsende Schüler/innen mit derartigen Begrifflichkeiten im Alltag konfrontiert werden, gleichzeitig sich aber damit auseinander setzen zu müssen, selbst lesbisch, schwul oder einfach anders zu sein.
Aktuelle Studien weisen nach, dass fast zwei Drittel der Jugendlichen Lesben und Schwule nicht oder überhaupt nicht gut findet. Das schlägt sich natürlich im Klima in der Schule nie-der und beeinträchtigt alle: heterosexuelle Schüler/innen, schwule, lesbische, bisexuelle und transsexuelle Jugendliche, Schüler/ innen mit Migrationshintergrund, Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung – unter einem Klima, das von Feindlichkeit gegenüber Minderheiten geprägt ist, leiden alle.
SchLAu NRW (Schwul Lesbische Aufklärung in NRW) ist das Netzwerk von 15 lokalen Projekten, die durch „peer-education“ schwul-lesbische Aufklärungsarbeit nicht nur für Jugendliche leisten. Bei den Veranstaltungen erhalten die Teilnehmer/innen die Möglichkeit, sich ein authentisches Bild von Schwulen, Lesben und Bisexuellen zu machen. In den persönlichen Begegnungen werden Diskriminierungen thematisiert und Vorurteile hinterfragt. So leistet SchLAu NRW einen grundlegenden Beitrag zu nachhaltiger Antidiskriminierung, effektiver Gewaltprävention und ganzheitlicher Gesundheitsförderung.
Mittwoch 18.11.2009
„Shortbus“ (im Rahmen des AStA-Films)
19:30 Uhr, Hörsaal A1 (Hörsaalgebäude)
Handlung: New York. Jamie und James sind ein schwules Paar, in dessen Beziehung es kriselt; Sofia ist eine Paartherapeutin, die trotz akrobatischem Sex mit ihrem Mann Rob noch nie einen Orgasmus hatte; die junge Domina Severin leidet unter ihrer Unfähigkeit, eine tiefergehende persönliche Beziehung aufzubauen. Sie alle begegnen einander irgendwann, kommen einander näher: Zunächst die beiden Schwulen und die Therapeutin in einer grotesk endenden Therapiesitzung, zuletzt alle in einem Club namens Shortbus in Brooklyn. Dieser Treffpunkt, eine Kombination von Varieté und Swinger-Club für fröhlichen Gruppensex, erhebt den Anspruch, den ungebrochen liberalen, ja libertär-anarchistischen Zeitgeist in New York nach den Anschlägen des 11. September zu spiegeln. So fliegt die Kamera gleich zu Beginn des Films, ausgehend von den Füßen der Freiheitsstatue, über ein stilisiert animiertes Panorama der Stadt, hinein in die Wohnungen der gerade sexuell aktiven Protagonisten.
Kritiken:
TAZ: „Das Besondere an John Cameron Mitchells Shortbus ist, mit welcher menschenfreundlichen Fröhlichkeit hier der Tabubruch zelebriert wird. Sex ist nicht das Problem, sondern die Lösung – genauer gesagt: guter Sex ist die Lösung. Das heißt nicht, dass der Blick auf das Private verengt würde.“
Süddeutsche Zeitung: „Zwar zeigt Regisseur Mitchel in seinem Film echten Sex. Aber Schmuddelkino ist das noch lange nicht, sondern etwas völlig Neues im Mainstream-Kino. Weil der Film sowohl explizit als auch optimistisch ist.“
Frankfurter Rundschau: „Dennoch gibt es da ein pornografisches Moment, eine Nummer höchster Akrobatik, deren Reiz man sich schwer erwehren kann. Ein junger Mann bläst sich tatsächlich selbst einen, und dies ist kein Trick oder eine Computeranimation. Nicht jeder wird es nachmachen können, aber es ist doch beruhigend zu wissen, dass so etwas grundsätzlich geht. Entsprechende im Zorn geäußerte Aufforderungen, wie sie zum Beispiel Autofahrern leicht über die Lippen gehen, erstrahlen nun in einem anderen Licht. (...) Wie sonst nur Pedro Almodóvar erreicht John Cameron Mitchell eine Atmosphäre, in der selbst die ungewöhnlichste sexuelle Orientierung binnen Sekunden gänzlich normal erscheint und auch der bürgerlichste Zuschauer nicht mehr ausschließen würde, seit Jahren auch mit Transsexuellen befreundet zu sein. Auch der Sex ist plötzlich nichts Ungewöhnliches mehr, obwohl wir im Spielfilm noch nie soviel davon auf einmal gesehen haben.“
Donnerstag, 19.11.2009
Der sensationelle BINGO-Kennenlern-Abend des Frauen und Lesbenreferats des AStA der Universität zu Köln
ab 20:00 Uhr, Universitätsstr. 16, AStA-Gebäude / BAföG-Amt, Frauen und Lesbenreferat (1.Obergeschoss)
bingoWer kennt sie nicht, die lustigen älteren Damen, die nix anderes zu tun haben, als sich zum Bingo spielen zu treffen?! Die sehen doch immer so aus, als hätten sie tierisch viel Spaß dabei...
Deswegen möchten wir sie uns zum Vorbild nehmen und ihnen auch dieses Semester wieder einen Abend lang nacheifern (denn leider sind wir noch relativ jung und tun die restliche Zeit so, als seien wir fleißig am studieren).
Falls ihr Lust habt, mit von der Partie zu sein und vielleicht sogar den ein oder anderen Preis absahnen wollt (jawoll, die gibt es nämlich bei uns auch), würden wir uns sehr freuen, wenn ihr vorbei kommt. Netter Nebeneffekt: ihr lernt uns und unsere Arbeit im Frauen und Lesbenreferat des AStA kennen.
Je mehr Damen, desto mehr Spaß macht es ja immerhin auch! :-)
Mittwoch, 18.11.2009
„Another Gay Movie“ (im Rahmen des AStA-Films)
19:30 Uhr, Hörsaal A1 (Hörsaalgebäude)
Sie sind laut, sie sind proud. Und sie wollen es jetzt endlich wissen. Schluss mit der Jungfräulichkeit! Jetzt wollen es Nico, Jarod, Andy und Griff endlich spüren, wie es sich anfühlt, jede nur mögliche Form von Sex zu haben. Wirklich jede! Keine halbherzigen Dates mehr, weder Online-Sex noch Selbstbefriedigung. Angriff ist die beste Vereinigung. Es ist die dreckigste, umwerfendste und skandalträchtigste Komödie, die jemals ihr Coming-Out gefeiert hat. Lehrer werden verführt, Hamster werden verwirrt und was folgt ist eine gnadenlose und hoch erotische Achterbahnfahrt auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Vielleicht wollen böse Jungs in den Himmel; gute Jungs aber kommen direkt aus der Hölle. "ANOTHER GAY MOVIE" ist in jeder Minute ein Knaller und nicht zuletzt das perfekte Bauchmuskeltraining. Ein brillantes Schauspielensemble garantiert ein Coming loud statt Coming out. Und Regisseur Todd Stephens setzt mit dieser Komödie seinen früheren Erfolg "Edge of Seventeen" genial fort.
Bewertungen von Kinobesuchern:
„Endlich ein Gay-Movie ohne (klischeehaft) problembeladener Szenen oder missionarischen Absichten. Locker, frech und sympathisch kommen die vier hormonstrotzenden Jungs in dem Streifen rüber. Und zeigen uns unverklemmt - und mit viel nackter Haut - wie sie es schaffen, ihre Jungfräulichkeit vor dem College-Beginn zu verlieren. Keine Peinlichkeit, sei sie auch noch so geschmacklos, wird ausgespart. Wer tiefsinnigen Witz erwartet wird enttäuscht, der Spaß zielt offen, direkt und zumeist treffsicher unter die Gürtellinie!! Der Film ist professionell aufgemacht und synchronisiert - was bei schwulen Streifen oftmals am schmalen Budget scheitert.“
„Wenn man diesen Film sehen möchte, muss man es anders angehen. Kein hoher Anspruch auf Filmkunst, sondern einfach nur hinsetzen, gucken und wirklich ein-einhalb Stunden einfach nur noch Bonbon Rosa erleben, krasse Farben, krasse Typen sehen, lachen, abschalten, Alltag und Sorgen vergessen.“
„Wenn einige von euch meinen, es handele sich einfach bei AGM nur um eine schwule Variante von Teen-Comedy, dann liegt ihr falsch. Die Teen-Comedys liefern absurde Variationen von Teenager-Problemen, die jeder kennt und hat(te). Somit ist eine solche Komödie für ein großes Publikum, vorderrangig natürlich für Teens selbst, konzipiert und produziert. Der Clou zudem liegt darin, dass die Figuren in diesen Filmen einen hohen Wiedererkennungswert besitzen. Kein Wunder also, dass man selbst heute, also Jahre später, noch weiß, wer Stifler und Co. eigentlich sind und was diese Charaktere ausmacht.
AGM hat bewusst Filme wie "American Pie" zur Grundlage und zieht diese und deren Handlungsstränge ad absurdum, in dem der Film die berühmten, mittlerweile von einigen sogar zu Kult ernannten Szenen um mehrere Grade "weiterdreht", schwule (oder für Schwule zumindest nicht unbekannte) Sexpraktiken und Verhaltensweisen mit einbaut und diese dadurch ebenfalls "verballhornt". Dass die Charaktere dabei extrem stereotyp und überzeichnet dargestellt werden, ist nur ein weiteres Stilmittel, um zu verdeutlichen, dass man diesen Film in keinem Moment ernst nehmen kann/darf/soll.
Letztlich lässt sich sagen, dass der Film am besten funktioniert, wenn man vertraut ist mit den im Film zitierten Originalen, und dies sind nicht allein die Teen-Comedys, sondern auch Filme, die für einen großen Teil der Homosexellen Kultcharakter besitzen; denn bei AGM liegt die (schwule) 'Verarsche der Verarsche' vor!“
Freitag, 20.11.2009
"Die Neue 'Deutsche' Frau - Frauenbildnisse der Goldenen Zwanziger in Deutschland"
19:30 Uhr, Hörsaal G (Hörsaalgebäude)
Vortrag von Eva Arzdorf
Die sogenannten Goldenen Zwanziger Jahre bezeichnen in Deutschland eine Zeitspanne, die nicht unbedingt so strahlend war, wie die Bezeichnung uns Glauben macht. Vorrangig war es eine Phase, die durch Umwälzungen und einschneidende Veränderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen glänzte. Ein besonders herausragendes "Produkt" dieser Jahre war das Phänomen der "Neuen Frau" - eine Frau nämlich, die so ganz anders schien als das, was noch bis kurz vor der Jahrhundertwende in Sachen Weiblichkeit der Norm entsprach: Sportlich, braun gebrannt, androgyn, burschikos oder gar maskulin im Auftreten, kurze Kleider mit freier Sicht auf die Beine - die Neue Frau ist kompetent, verdient ihr eigenes Geld, steht auf eigenen Beinen und gibt sich sachlich.
Dieser Vortrag soll das Phänomen der Neuen Frau genauer beleuchten und unter anderem die Frage klären, inwieweit es hierbei um "echte" Emanzipation ging oder ob es sich nicht bloß um einen Modemythos handelte. Außerdem ist interessant zu untersuchen, wie sich die Sicht der Männer auf die Neue Frau gestaltete und wie das Bild dieser neuen Weiblichkeit hinsichtlich des immer näher rückenden Nationalsozialismus im Laufe der Zwanziger Jahr verändert wurde.
Diese und ähnliche Fragen lassen sich erstaunlich gut klären, wenn man sich die Kunst jener Jahre genauer anschaut - und genau dies soll in dem Vortrag geschehen. Hierbei wird besonders den Werken der sogenannten Neuen Sachlichkeit - einer im Deutschland der Zwanziger Jahre entstandenen "Kunstrichtung" - Aufmerksamkeit geschenkt. Werke von Otto Dix, Karl Hubbuch, Rudolf Schlichter und Christian Schad sollen hinsichtlich des Erscheinungsbildes der Neuen Frau analysiert werden. Viele dieser sogenannten "Veristen" werden später von den Nationalsozialisten zu den entarteten Künstlern gezählt - unter anderem sicher auch deswegen, weil sie in ihren Kunstwerken Frauenbilder zeigten, die so gar nicht in das faschistische Weltbild passen wollten.